Pet-Talks: Klartext – der Interview-Podcast von DeineTierwelt

Hat Hamburg ein Problem mit Listenhunden?

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Sie gelten oftmals als aggressiv und werden als Kampfhunde verschrien: Listenhunde haben ein Imageproblem. Für Listenhunde und ihre Halter bedeuten die Gesetze viele Einschränkungen. Und: Tierheime können Listenhunde oft nur schwer vermitteln.

Besonders in Hamburg gelten strenge Regeln für den Besitz von Listenhunden. Beim Tierschutzverein bleiben die abgegebenen Listenhunde deshalb sehr lange: für Monate, teilweise sogar Jahre. Derzeit sind auf der Internetseite des Hamburger Tierschutzvereins rund 25 Listenhunde aufgezählt, die ein neues Zuhause oder Paten suchen.

Listenhunde finden nur schwer ein neues Zuhause

Einer von ihnen ist Apollo. Als American-Staffordshire-Terrier-Mischling gehört er laut Hamburger Hundegesetz zur Kategorie 1, darf also nur mit behördlicher Erlaubnis gehalten werden. Im Laufe seines 15-jährigen Lebens ist Apollo zum Stammkunden im Hamburger Tierschutzverein geworden.

Immer wieder wurde der Hunde-Opa dort abgegeben. Mittlerweile ist er zu einer Pflegefamilie gezogen, bei der er seinen Lebensabend verbringen darf. Das Tierheim kommt aber noch für seine medizinische Versorgung auf und ist daher auf Spenden und Paten angewiesen.

Pitbull-Mischling Rey ist seit fast fünf Jahren im Tierheim. Weil sein Halter keine behördliche Genehmigung hatte, wurde er sichergestellt und ins Heim gebracht. Dort verhält sich Rey seinen Bezugspersonen gegenüber freundlich und liebevoll. Bei fremden Menschen und Situation oder im Umgang mit anderen Hunden wird er allerdings schnell schwierig.

Seine neuen Halter müssen deshalb unbedingt bereit sein, weiter mit ihm zu trainieren. Und: Sie sollten außerhalb Hamburgs wohnen. Niedersachsen ist eins von wenigen Bundesländern ohne Rasseliste.

Hamburg ist nicht hundefreundlich – zumindest nicht für Listenhunde

„Hamburg ist wirklich nicht als hundefreundliche Stadt zu bezeichnen, gerade nicht beim Thema Listenhunde“, findet Sven Fraaß vom Hamburger Tierschutzverein. Aber die regierenden Parteien wollen das Gesetz in der Hansestadt nicht neu bewerten. Selbst wenn Listenhunde Hamburg nur besuchen, müssen sie einen Maulkorb tragen. Dabei können sie die liebsten Hunde sein. In der Öffentlichkeit suggeriert das natürlich, dass Listenhunde gefährlich sind. Die Tiere werden durch kurze Leinen und Maulkörbe erheblich eingeschränkt – eine Negativspirale.

Sven Fraaß: „Das Hamburger Hundegesetz ist unwissenschaftlich, populistisch, inhaltlich dämlich und verlogen. Eigentlich ist allen Menschen klar, dass kein Hund böse geboren wird, egal welcher Rasse er angehört.“

Listenhunde werden von Vornherein vorverurteilt

Es komme dabei immer auf das andere Ende der Leine an. Was hat der Mensch dem Tier beigebracht? Denn (fast) jeder Hund kann abgerichtet und aggressiv gemacht werden – egal welcher Rasse. Dass viele Listenhunde trotzdem von Vornherein verurteilt werden, bezeichnet Sven Fraaß als „Hunde-Rassismus“.

Pitbulls wie Rey werden oft als Kategorie-1-Hund gelistet. In Hamburg tauchen aber auch Rassen auf der Liste auf, die in anderen Bundesländern gar nicht gelistet sind, wie etwa Rottweiler oder Bordeauxdogge. Für Fraaß ist das ein weiteres Zeichen für Willkür der Listen. Denn bei der Entscheidung, welche Hunderassen auf die Listen kommen, werde beispielsweise nicht auf die Beißstatistik geachtet. In dem Fall müsste der Deutsche Schäferhund nämlich ebenfalls gelistet sein.Doch für diese Rasse gebe es eine große Lobby, so Fraaß.

-- Link-Tipps zum Thema --
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-- Mehr vom Gesprächspartner --
» Website des „Hamburger Tierschutzvereins“
» Diese Listenhunde aus dem Tierheim Hamburg suchen nach einem neuen Zuhause

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